In mehr als 2/3 der Weltbevölkerung werden Babys fest an Mama, Papa oder andere Bezugspersonen gebunden. Der Grund dafür ist natürlich und trivial – der Mensch ist ein Tragling. Dieser Begriff wurde von dem Verhaltensbiologen Bernhard Hassenstein in den 70er Jahre geprägt. Er beschreibt den Menschen als „aktiven Tragling“. Das bedeutet, dass Babys mit ihren Greif- und Umklammerungsreflexen sowie mit ihrer Anhock-Spreiz-Haltung (ASH) evolutionsbiologisch erwarten, getragen zu werden.

Vorteile für den kleinen Tragling und die Eltern

Noch dazu bringt das Tragen sehr viele weitere Vorteile mit sich: die Bindung zu Mama und Papa wird gestärkt und die Entwicklung des Babys wird in vielerlei Hinsicht begünstigt. Bei richtigem Tragen wird eine gesunde Hüftentwicklung gefördert, Babys erkunden mit all ihren Sinnen ihre Umwelt, können sich aber auch jederzeit an Mama oder Papa ankuscheln und sich in ihrer Geborgenheit von Reizüberflutungen schützten. Mit allen Sinnen dabei zu sein, fördert die motorische, kognitive und emotionale Entwicklung unserer kleinen Traglinge. Aber auch für Mama und Papa gibt es viele Vorteile: Tragebabys sind häufig ruhiger und zufriedener, Eltern haben beide Hände frei und können sich ungehindert bewegen.

Die Geschichte des Tragens im europäischen Raum

Trotzdem gilt heute Tragen in Deutschland häufig eher als „alternativ“. Dass Babys in Tragetüchern und -hilfen wieder zunehmend das Stadtbild prägen ist allerdings mehr eine Rückbesinnung als eine Neuerscheinung – denn auch in Europa wurden bis vor 150 Jahren Babys getragen. Beispielsweise im Hockmantel, welcher vor allem im Thüringer Raum bekannt war.

1840 wurden dann die ersten Fabrik-Kinderwägen produziert, allerdings waren diese für Neugeborgene ungeeignet, da sie zum Sitzen ausgelegt waren. Dann, 1880 folgte die Erfindung des Kinderwagens, wie wir ihn heute kennen. Dass sich der Kinderwagen so „leicht“ etablieren konnte, ist unter anderem auf die europäische Wiegekultur zurückzuführen, auf der auch viele Einschlaflieder basieren.

Obwohl im europäischen Raum nicht so eine lange Tragetradition herrscht wie in anderen Kulturen, können wir aus anthropologischer Sicht viel über die lange, weltweite Tradition des Tragens lernen.

Gesellschaftliche Sichten aufs Tragen

Spannend ist hierbei besonders, wie sich mit der Erfindung des Kinderwagens die gesellschaftliche Perspektive auf das Tragen von Babys wandelte. Mutter und Kind wurden in Zeiten der Aufklärung zunehmend voneinander getrennt, dies hatte auch Auswirkungen auf das Erscheinungsbild im öffentlichen Raum. Der Kinderwagen bot (neben der Tatsache, dass der Transport von Kinderwägen erstmals infrastrukturell möglich war) die Chance von Mutter und Kind im öffentlichen Raum aufzutreten und sich so zugleich von der Unterschicht (mit stereotypisch vielen Kindern) abzugrenzen. Nicht zuletzt galt der Kinderwagen auch als Statussymbol.

Die Geschichte des Tragens reicht von der ägyptischen Hochkultur über den afrikanischen Kontinent, über Grönland, das Amazonasgebiet bis nach Papua-Neuginea. Auch im europäischen Raum wurden Babys getragen, doch darüber wurde viel zu selten berichtet.

Dadurch haben leider auch Vorurteile über das Tragen, wie beispielsweise dass Babys zu wenig Luft bekommen würden, verwöhnt würden oder später laufen lernen, Fuß gefasst. Glücklicherweise gibt es heutzutage Studien, die genau diese Vorurteile widerlegen und aufzeigen

  • dass von Forscher*innen der Unterschied der Sauerstoffzufuhr beim Tragen als unerheblich angesehen wird
  • dass Babys durch das Mitschwingen der Beine schneller Laufen lernen
  • dass die emotionale, kognitive und motorische Entwicklung der Traglinge gefördert wird
  • dass durch das Bonding zu den Eltern und die Sicherheit es im Kindesalter leichter fällt, eigenständig die Welt zu erkunden

Tragen liegt in unserer Natur und wir sind glücklich Teil der Tragewelt zu sein und mit unseren ökologischen Mama Nuka Tragetüchern und Ringslings Familien zu begleiten.
Also nichts wie rein in das kuschelige Tragetuch!